Grüne Kompetenz bei der DAA - Nistkästen für Siegen
06.07.2026
Ob Holz, Metall, Plastik, Beton, Farbe – in der Schulwerkstatt von Stefan Schorrieß am DAA-Standort Siegen Eiserfeld dürfen und sollen die Teilnehmer*innen der BvB alle Handwerke erfahren. Und sie sollen dabei grüne Kompetenz erwerben. Heißt: aus Altem entsteht Neues. So ist es auch bei den selbst gebauten Nistkästen, die nun im Stadtwald in Siegen Vögeln als Zuhause dienen.
Siegen – Auch am Freitag vor Pfingsten beginnt der Arbeitstag für die Jugendlichen in der Lehrwerkstatt der DAA am Standort in der Eiserfelder Straße in Siegen um 07.30 Uhr. Aber dort ist diesmal nur kurz Treffpunkt, denn mit Ausbilder Stefan Schorrieß geht es für die sieben jungen Männer ins Grüne. Sie werden im Stadtwald von Siegen ihre im Rahmen der BvB selbstgebauten Nistkästen aus Holz aufhängen. Die Stadt Siegen unterstützt das Projekt, der Stadtförster hat der DAA-Initiative den Häusling oberhalb vom Siegener Zentrum zugewiesen. 2025 hat Schorrieß im Rahmen dieser Projektarbeit erstmals Nistkästen im Häusling aufgehängt.
Mit einem kräftigen „Guten Morgen, wir müssen los, der Bus kommt gleich!“ begrüßt der fröhliche und umtriebige Ausbilder seine Gruppe. Die Jungs wirken etwas müde, die strahlende Sonne an diesem frühsommerlichen Mai-Tag spiegelt sich noch nicht in ihren Gesichtern. Aber die Fahrt in dem vollbesetzten Bus, der kurze Marsch den Hang hinauf zum Wald und ein paar kleine Alltags-Geschichten bringen Leben in die Köpfe und die Glieder. Oben am Waldrand steht bereits der Transporter von Schorrieß mit den Werkstücken – Snacks und Getränke inklusive. Mittlerweile eingetroffen sind auch Sandra Schnitzler, Lehrgangleiterin der BvB, und Ilona Starke, Teamleitung Siegen und Olpe für Jugend und Schule.
Rötliche Kästen aus Holz, DAA eingebrannt
Gioacchaino nimmt sich wie seine Kollegen zwei Nistkästen und marschiert den Hang hoch in den Wald. Ausbilder Schorrieß geht mit Leiter und kleiner Säge voran und sucht geeignete Bäume. Ist ein Baum gefunden, steigt er auf die Leiter, gesichert durch Sandra Schnitzler und Ilona Starke, und sägt bei Bedarf einen Ast zurecht. So hängt in den folgenden zwei Stunden ein Häuschen nach dem anderen. Auch die Teilnehmer suchen eifrig mit, lachen und scherzen dabei. Am Ende ist Stolz in ihren Gesichtern zu lesen. „Es ist schon spannend zu sehen, wenn der eigene Nistkasten dann am Baum hängt“, sagt Gioacchaino.
Die Fertigung des Kastens habe ihm Spaß gemacht, erzählt er. Gioacchainos Familie stammt aus Sizilien, er ist in Deutschland geboren. Der BvB-Teilnehmer spricht neben Italienisch und Englisch auch Sizilianisch. Die Skizze, den Holzzuschnitt, den Zusammenbau und den leicht rötlichen Anstrich haben Gioacchino und seine Kollegen unter Anleitung selbst gemacht. Letztes Detail war das Einbrennen der Buchstaben „DAA“, das mit einem eigens angefertigten Brandzeichen gemacht wurde.
Die ersten Bewohner bereits 2025 eingezogen
Die erste Serie Nistkästen ist bereits bewohnt. Waldkauze oder auch der Kleiber, ein besonderer heimischer Vogel, leben dort. „Der Kleiber läuft zum Beispiel Kopf nach unten den Stamm herunter. Und er stopft die Ritzen des bezogenen Vogelhäuschen mit Schlamm zu, damit es nicht zieht“, sagt Schorrieß und deutet dabei auf einen Nistkasten, an dem das besonders eindrücklich zu sehen ist. An anderen Häuschen sind Kratzspuren der Bewohner an den Schlupflöchern zu sehen.
Gewächshaus, Windrad, Graffiti
Die Nistkästen fügen sich bei der DAA in Siegen in einen übergeordneten Kontext ein. Die Teilnehmer*innen sollen in allen Bildungsangeboten „Grüne Kompetenz“ erwerben. Darunter fällt beim Nistkästen-Projekt zum Beispiel, dass die Bügel für die Vogelhäuser von alten Farbeimern stammen. Darüber hinaus hat Stefan Schorrieß an seiner Werkstatt ein Gewächshaus bauen lassen, für die notwendige Energie sorgt ein selbstgebautes Windrad. Der Kreativität sind bei ihm keine Grenzen gesetzt. So dürfen und sollen die jugendlichen Ausbildungssuchenden sich an Graffiti versuchen. Betonfüße für Banken werden selbst gegossen, der Stahldraht für die Betonelemente selbst geknüpft.
Grüne Kompetenz und die “persönliche Betroffenheit”
Mit der Grünen Kompetenz soll laut Sandra Schnitzler unter anderem „grundlegendes Verständnis des Klimawandels und die persönliche Betroffenheit“ vermittelt werden. Auch die „Auswirkungen auf den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, Energieeffizienz, Umweltbewusstsein, Abfallvermeidung, Verwertung beziehungsweise werterhaltende Wiederaufarbeitung in Repair Cafés oder aus alten Dingen Neues herstellen“ seien laut Sandra Schnitzler Lehrinhalte.
„Dies geschieht nicht nur in den Berufsfeldern, die Herr Schorrieß betreut wie Bau, Metall und Elektro. Auch die anderen Berufsfelder wie Wirtschaft und Verwaltung, Lager/Handel/Logistik, Gesundheit und Soziales, Hotel- und Gaststätten und Kosmetik/Körperpflege setzen dazu berufsfeldnah Projekte um“, betont Schnitzler. Am Ende eines auch schweißtreibenden Vormittages ist der Häusling um ein paar weitere rötliche Punkte reicher. Und in naher Zukunft auch um ein paar weitere Vogelfamilien. “Ein solches Projekt soll den Antrieb bei den Teilnehmern fördern. Die Nistkästen sind meiner Meinung nach gut angekommen“, sagt Stefan Schorrieß zu dem Projekt, um sich dann seinen mittlerweile gut gelaunten Teilnehmern zuzuwenden: „Und jetzt gehen wir ein Eis essen.“