Beniamin Stadnik: ADHS, Berufsstart mit IHK-Abschluss und der WDR
24.08.2026
Eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, ist für die davon betroffenen Menschen eine lebenslange Herausforderung. So auch für Beniamin Stadnik. Mit Mut, Willen und passender Unterstützung durch die DAA hat der junge Mann nun einen großen Schritt vollzogen und seinen Abschluss als Kaufmann für Büromanagement gemacht. Und nicht nur das: Stadnik hat bei der RSE Rhein-Sieg Eisenbahn GmbH in Bonn-Beuel auch gleich seine erste berufliche Heimat gefunden. Die Medien zeigen großes Interesse an seiner Geschichte.
Bonn - „Alle haben sich verständnisvoll gezeigt, nachdem ich das einmal angesprochen habe. Dann haben sie sich auch angepasst, und alles lief wie am Schnürchen“, sagt Stadnik zum Umgang der Kolleg*innen seines Arbeitgebers mit seinem ADHS. Ihm gegenüber sitzt Christoph Hensgen vom WDR, dem Stadnik ruhig und gelassen seine Ausbildungs-Geschichte erzählt. Nicht nur dem WDR ist die großartige Leistung ein Stück für die Lokalzeit Bonn wert, auch der Bonner Generalanzeiger berichtet von Stadnik in seiner Lokalausgabe.
Von Nervosität ist bei Beniamin Stadnik am Dreh-Tag Mitte Juli nichts zu spüren. WDR-Redakteur Hensgen, Kameramann Ulf Rütsch und Ton-Assistent André Karamin begleiten den Berufsanfänger fast einen ganzen Dienst-Tag, zunächst bei der RSE in Beuel. Einstellungen an seinem Arbeitsplatz, dazwischen O-Töne zu den Fragen des WDR. Wohlwollend wie schon in der Ausbildung unterstützen Stadniks Ausbilder Joachim Großmann und seine Kollegin Nadia Amara den Tag. Auch sie äußern sich zu ihrem neuen Mitarbeiter. Als in Beuel alles im Kasten ist, geht es mit dem Team auf die linke Rheinseite zur DAA, wo Beniamin drei Jahre eng begleitet wurde. Psychologin Michelle Hartl simuliert vor der Kamera mit Stadnik eine Gesprächssituation, so, wie er es in der Ausbildung regelmäßig erfahren hat.
Agentur für Arbeit und die DAA bringen Stadnik auf den richtigen Weg
Die Suche nach der richtigen Ausbildung ist für Beniamin Stadnik komplex. Nach seinem Hauptschulabschluss macht erfolgreich einen Abschluss zum Assistenten Ernährung und Versorgung, mit dem Schwerpunkt Service, um auf diesem Weg die Fachoberschulreife zu erwerben. Aber dieser Beruf ist für ihn auf Dauer nicht das Richtige. Genauso wenig wohl fühlt sich Stadnik dann in der Ausbildung zum Physiotherapeuten, die er abbricht. Die Suche nach dem passenden Beruf gestaltet sich also holprig.
Auf den richtigen Weg bringen Benjamin Stadnik die Bundesagentur für Arbeit und die DAA Bonn. Die Arbeitsagentur empfiehlt ihm nach einer Berufsvorbereitenden Maßnahme eine kaufmännische Ausbildung im integrativen Modell, das die DAA Bonn seit 2020 anbietet. Dies ist eine dreijährige, außerbetriebliche, reha-integrative Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement, die mit dem regulären Abschluss vor der IHK endet.
Ausbildung an ADHS angepasst
Die Ausbildung ist an die individuellen, ADHS-bedingten Bedürfnisse des Teilnehmenden angepasst. „Oft haben wir beide gekämpft: Herr Stadnik zum Beispiel mit Konzentrationsproblemen, ich als Ausbilderin der DAA mit der Herausforderung, immer wieder auf seine speziellen Bedürfnisse einzugehen. Wenn man nun den Erfolg sieht, den man sich gemeinsam erarbeitet hat, dann ist das eine sehr sinnstiftende Arbeit und eine Erfolgsgeschichte“, erzählt DAA-Ausbilderin Beate Kuhlmann über Ihre Arbeit mit Stadnik. Neben der Vermittlung der Lehrinhalte in Kleingruppen oder im Einzelcoaching gehören Gespräche zu beruflichen Herausforderungen, persönlichen Zielen und Ressourcen oder auch zum Umgang mit Stress und belastenden Situationen dazu.
DAA und Rhein-Sieg Eisenbahn kooperieren
Zur Ausbildung gehören auch Betriebspraktika. Die Rhein-Sieg Eisenbahn kommt seinerzeit auf der Suche nach geeignetem Nachwuchs auf die DAA zu – für Stadnik der Volltreffer. Von Juni bis August 2025 absolviert er zunächst das Praktikum, mit Erfolg. Da er sich als sehr zuverlässig und auch fachlich entwicklungsfähig erweist, geht das Praktikum im Anschluss in die kooperative Form der reha-integrativen Ausbildung über. Auch dieses letzte Lehrjahr im Betrieb wird durch die DAA weiterhin eng begleitet. „Alles erfolgt schrittweise. Die DAA erhält von der Agentur für Arbeit die Finanzierung, die Betriebe gehen kein Risiko ein. Wenn es Probleme gibt, können die Betriebe uns zudem immer kontaktieren“, erklärt Psychologin Michelle Hartl zu dem Modell.
Am 9. Juni 2026 macht Beniamin Stadnik mit Erfolg seinen IHK-Abschluss zum Kaufmann für Büromanagement – und wird von der RSE direkt übernommen. Vergangenheit ist der lange Weg dorthin. Vielversprechend ist der Ausblick. „Aus meiner Sicht ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Er wird seinen Weg machen im Leben“, sagt Joachim Großmann, sein Ausbilder bei der RSE.